Kunena latest

More...

Google Analytics Tracking Module

Aufenthaltsort:
Bridge Builder PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Marco Fava   
Samstag, den 06. Januar 2007 um 15:59 Uhr

Ziel von Bridge Builder ist es, Brücken zu bauen, die nicht einstürzen. Dies tönt nicht gerade spannend - ist es aber. Bridge Builder gehört zu den raren Games, die die Leute mit einer einfachen und gut umgesetzten Spielidee wirklich an den Monitor zu fesseln vermögen.

Wahrlich bitter kann die Realität beim Brückenbau sein, und auf der virtuellen Ebene wird uns bei Bridge Builder auch nichts geschenkt. Brücken zu bauen ist alles andere als ein Kinderspiel, so die erste Lektion des Spiels. Die ersten Brücken, die der Spieler erstellen muss, sind zwar relativ klein und schnell gebaut. Je höher der Level, desto komplizierter wird es.

Die ersten Levels machen die Spieler mit dem kleinen Einmaleins des virtuellen Brückenbaus bekannt. Immer geht es in Bridge Builder darum, eine Brücke über einen Fluss zu errichten. Für den Bau stehen, je nach Aufgabenstellung, verschiedene Materialien zur Verfügung. Eisenplatten beispielsweise sind (fast) immer vorhanden. Daneben wird mit Stahl unterschiedlicher Tragfähigkeit gearbeitet, aber auch mit Metallseilen, denn sogar Hängebrücken müssen mitunter konstruiert werden. Später müssen gar Hebebrücken mithilfe hydraulischer Elemente konstruiert werden.

Das Gemeine an Bridge Builder: Das Budget für das entsprechende Baumaterial ist jeweils begrenzt, zudem sind nicht in jedem Level alle „Rohstoffe“ zu haben. Wo sich eine Brücke beispielsweise relativ problemlos mit stabilem Stahl bauen liesse, dürfen die Spieler, je nach Schwierigkeitsgrad, nur mit Eisen von schlechterer Tragfähigkeit arbeiten. Es gilt also nicht nur, die Gesetze der Statik im Auge zu behalten, sondern auch die Regeln der Ökonomie. Wenn das Geld nicht mehr reicht, ist es auch mit dem Brückenbau vorbei. Billiges Eisen ist beispielsweise nicht so stabil wie Stahl, dafür in grösseren Mengen zu haben. Meist ergibt sich eine Lösung, wenn die zur Verfügung stehenden Materialien sinnvoll kombiniert werden. Intelligent eingesetzte Stahlseile zum Beispiel können von Nutzen sein, wenn zuwenig Material für Stützpfeiler vorhanden ist. Bridge Builder verlangt Fantasie beim Bau.

Zu Beginn jedes Levels wird den Spielern die Aufgabenstellung präsentiert (Breite des Flusses, zur Verfügung stehende Baumaterialien, Budget etc.). Dann kann gebaut werden. Es empfiehlt sich, die Tragfähigkeit der Brücke schon während der Konstruktionsphase immer wieder zu überprüfen. Dies geschieht mittels des Testmodus, in den jederzeit gewechselt werden kann. 

 

Screenshot Baumodus

 

 Während der Baumodus als relativ simple, aber übersichtliche Graphik, die an ein 3D-Zeichenprogramm erinnert, daherkommt, wird im Testmodus automatisch auf ein relativ ansprechendes „Landschaftsbild mit Brücke“ umgeschaltet. Erst im Testmodus zeigt sich die Standfestigkeit der Brücke. Für die Konstruktion, die im Baumodus immer „statisch“ bleibt, schlägt hier jeweils der Moment der Wahrheit. Das Umschalten in den Testmodus sorgt somit immer für eine gewisse Spannung, auch wenn die Brücke noch nicht fertig gestellt ist. Konstruktionsfehler zeigen sich sofort, denn nicht stabile Teile der Brücke brechen zusammen, sobald die Schwerkraft zum gnadenlosen Richter über das statische Einfühlungsvermögen der Möchtegern-Brückenbauer wird. Die Macher von Bridge Builder haben sich grosse Mühe gegeben, dass das Spiel nach den Gesetzen der Physik und Statik funktioniert. Wer an der falschen Stelle das falsche Baumaterial gewählt hat oder die Verteilung des Gewichts der einzelnen Bauteile nicht korrekt einschätzt, sieht seine Brücke sofort zusammen stürzen. Doch auch wenn die Brücke im Testmodus stabil bleibt, sagt dies noch nichts über deren tatsächliche Tragkraft aus.

Bild einer Brücke

Als letzte Nagelprobe fährt eine Dampflok mit Wagen über die Brücke. Erst wenn dieser Test gelingt, ohne dass das Miniatur-Eisenbähnchen unfreiwillig zum U-Boot wird, geht es weiter zum nächsten Level. Werden später Hebebrücken gebaut, kommt noch eine weitere Brücken-Prüfung hinzu: Ein Schiff fährt unter der Brücke durch. Wenn sich die Brückenteile heben und wieder senken, ohne dass die Konstruktion einstürzt wie ein Kartenhaus, erhalten auch solche komplexen Brücken das Prädikat „für den Verkehr freigegeben“.


Bridge Builder bietet verschiedene Schwierigkeitsstufen mit jeweils mehreren Brücken. Fällt der Einstieg noch recht leicht, zeigt sich bald einmal, dass es einige Zeit braucht, bis alle Levels durchgespielt sind. Doch auch wenn die komplexeste Brückenbau-Aufgabe gemeistert wurde, ist die Luft noch nicht raus. Schliesslich gibt es unzählige von Lösungen, die zwei Ufer eines Flusses miteinander zu verbinden…


Neben den „herkömmlichen“ Levels bietet Bridge Builder einen „erweiterten Modus“. Hier können die Brücken mit schwereren Loks getestet werden, zudem lassen sich verschiedene Brückenkonstruktionen miteinander vergleichen. Auf Wunsch zeigt das Programm auch an, wo sich statische Schwachstellen befinden, die vom Spieler noch weiter ausgebessert werden können. Zudem muss eine Brücke ja nicht nur Anforderungen Statik und Funktionalität erfüllen, sondern auch ästhetischen Ansprüchen genügen. Brücken sind schliesslich ein nicht zu unterschätzender Teil des Landschaftsbilds. Wer dann noch immer nicht genug vom virtuellen Brückenbau hat, kann mit dem Leveleditor eigene Aufgaben für Bridge Builder erstellen.
Sowohl die Grundfunktionen des Spiels als auch die Bedienung des Leveleditors werden im relativ ausführlichen und in deutscher Sprache gehaltenen Handbuch erklärt.


Auch in Sachen Graphik überzeugt Bridge Builder durchaus. Im Baumodus werden die Spieler mit einem übersichtlichen 3D-Raster konfrontiert, der genau darüber orientiert, an welchen Stellen Bauteile an die Brücke angefügt werden können. Im Testmodus schliesslich wird eine idyllisch wirkende Landschaft mit Fluss dargestellt, in deren Mittelpunkt natürlich die Brücke steht. Zwar könnte diese virtuelle Landschaft ein paar Details mehr aufweisen, um weniger „kalt“ und unanimiert zu wirken, ihren Zweck erfüllt sie aber.


Lobenswert, dass in beiden Modi der Blickwinkel fast völlig frei gewählt werden kann. Beim „Nageltest“ schliesslich, wenn die Lokomotive über die Brücke fährt, um deren Stabilität zu prüfen, kann die Brücke sogar aus der Perspektive des Lokomotivführers betrachtet werden: Beinahe eine virtuelle Achterbahnfahrt, vor allem, wenn die Brücke einstürzt…


In akustischer Hinsicht haben sich die Entwickler von Bridge Builder doch eher zurückgehalten. Neben dem Klicken der zusammengefügten Bauteile und den Geräuschen von Lokomotive und Schiff gibt es eigentlich nur noch das Geräusch der zusammenbrechenden Brücke, wenn der Spieler während des Baus gepfuscht hat. Und dieses Geräusch hört man leider nur allzu oft…
Auch auf Hintergrundmusik wurde verzichtet. Diese ist auch nicht nötig, denn schliesslich wollen sich auch virtuelle Brückenbauer ungestört ihrer nicht immer einfachen Aufgabe widmen können. Da stört nervendes Hintergrundgedudel nur.


Bridge Builder fordert die kleinen grauen Zellen heraus, ist spannend und ist ein garantiert jugendfreier Spielspass für Leute, denen Computerspiele ansonsten zu hektisch sind. Wer sich das Spiel kauft, braucht eigentlich nur noch genügend Zeit. Gut Brück’ will Weile haben.

Text: © Marco Fava, Binningen, Switzerland

Systemvoraussetzungen:
Mac OS X 10.1 oder neuer
G3, G4 mit 800 MHz oder Schneller, 128 MB RAM
Link: www.bridgebuilder.de/www. chroniclogic.com

 

Comments

Name *
Email (For verification & Replies)
URL
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Submit Comment
Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 07. Januar 2007 um 16:48 Uhr