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Freedom Force PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Marco Fava   
Mittwoch, den 19. September 2007 um 11:16 Uhr
 Vertreter der älteren Generation werden sich vielleicht noch an das so genannte „Silver Age“ der amerikanischen Comics erinnern. Damals, in den 1950ern und 1960ern, war die (Comic-) Welt noch in Ordnung. Superhelden wie „Captain Amerika“, und Konsorten retten die allerhand Gefahren ausgesetzte westliche Welt vor üblen Mutanten, fiesen Verbrechern , schurkischen Ausserirdischen und bösen Kommunisten. Die Superhelden-Comics dieser Zeit waren oft genauso hölzern gezeichnet und getextet, wie das doch recht simple Weltbild, für das sie standen.. Heutzutage ist bekanntlich alles etwas komplexer, dennoch feiern die Superhelden – zumindest im Kino – seit einigen Jahren ihre fröhliche – und kassenträchtige – Renaissance „Spider-Man“, „Daredevil“, die „X-Men“ und Konsorten eignen sich halt auch gut für Verfilmungen, und wer braucht in Hollywood schon eine Story, wenn Action und Effekte stimmen?

Doch nicht nur die Kinokassen, auch die Festplatten erobern die Superhelden von einst mitunter. „Freedom Force“ ist ein actionlastiges mausgesteuertes Kampfspiel mit Rollenspiel-Elementen, dass sich an den klassischen Superhelden-Comics orientiert und mit einer gehörigen Prise (Selbst-)Ironie gewürzt ist.. Und wie ein Silver Age-Comic aufgemacht kommt das Spiel auch optisch daher.
Wir schreiben das Jahr 1962, Ort der dürftigen Handlung ist Patriot City, eine Stadt, die amerikanischer nicht sein könnte. Der schurkische intergalaktische Eroberer Lord Dominion strebt – nomen est schliesslich omen – die Weltherrschaft an, indem er ahnungslose, vaterlandsliebende Amerikaner mittels der geheimnisvollen „Energie X“ in willfährige Mutanten mit Superkräften verwandelt. Sind die gesetzestreuen und rechtschaffenen Einwohner von Patriot City (und dem Rest der Welt) dieser intergalaktischen Bedrohung schutzlos ausgeliefert? Nein, noch gibt es Hoffnung für die Erde? Denn, so will es die Storyline, auch einige Menschen reinen Herzens werden von der mutagenen „Energie X“ bestrahlt. Lord Dominion und seiner Horde von Superschurken stehen also auch einige wenige Superhelden gegenüber…



Die Vorgeschichte und die zahllosen Zwischensequenzen die die Handlung vorantreiben, werden im Stil von Superhelden-Comics erzählt. Comic-Zeichnungen, die über den rechtschaffenen Kampf der Helden berichten, werden eingeblendet, während eine sonore Männerstimme aus dem Off die Texte vorliest („This fight is about freedom!“ etc.). Statt graphischem Overkill also ein nostalgischer Augen- und Ohrenschmaus und mit etwas vom Besten, das „Freedom Force“ zu bieten hat. So gelingt es den Machern des Spiels, die Atmosphäre und das „trashige“ Feeling der „Silver Age“-Comics auf dem Computer adäquat umgesetzt wieder aufleben zu lassen.

„Freedom Force“ bietet verschiedene Spielmodi. „Campaign“ ist die Einzelspieler-Mission und das „Herzstück“ des Games. Der Spieler schlüpft in das der amerikanischen Flagge nachempfundene Kostüm von Minuteman. Der Held in der weissen Strumpfhose muss in seinem ersten Einsatz ein paar Schufte niedrigeren Ranges dingfest machen. Die wahren Gegner trifft er erst in späteren Missionen. In seinem Kampf für eine bessere Welt steht ihm, neben seiner übermenschlichen Stärke und der Fähigkeit, auf Häuserdächer zu springen, eine Art magischer Knüppel, der „Patriot“, zur Verfügung, mit dem er den Rohlingen ganz rustikal eines auf die rücksichtslosen Rüben verpassen kann. Im Laufe des Spiels stehen dem Spieler dann auch noch andere Superhelden, unter anderem die sexy Kämpferin „Alchemiss“, der unheimliche „Man Bot“ in seiner Eisenrüstung oder der mit telepathischen Kräften ausgestattete mysteriöse „Mentor“ zur Verfügung.

Gespielt wird „Freedom Force“  in der Third Person-Perspektive, die Superhelden und ihre (oftmals feindliche) Umwelt werden also aus der ¾-Vogelperspektive angezeigt. Die Ansicht lässt sich jedoch in den meisten Szenen auch auf andere Blickwinkel umstellen, zudem kann auch ins Geschehen hinein- und hinausgezoomt werden. Graphisch überzeugt das Spiel mit einer schön gestalteten 3D-Umgebung und auch die Superhelden und –Schurken sind liebevoll animiert. Gesteuert, geflogen, gelasert und geprügelt wird mit der Maus (unter gelegentlichem Einsatz diverser Tasten). Im Laufe der Zeit können durch diverse erhaltene Bonuspunkte entweder weitere Superhelden erworben oder spezielle Fähigkeiten dazu gekauft werden.

Die „Campaign“-Mission basiert auf einer linearen Storyline, eingeteilt in einzelne Episoden, in denen jeweils diverse Primär- und Sekundärziele erreicht werden müssen, was mit Bonuspunkten und dem Zugang zum nächsten Level belohnt wird. Das „taktische Element“ des Spiels besteht jeweils darin, seine entsprechenden Helden und deren Fähigkeiten den jeweiligen Gegnern und Situationen anzupassen und diese dann mittels Maussteuerung auf ihre Gegner loszulassen. Das Spielprinzip erinnert an Games wie „Baldur’s Gate“ oder sogar etwas an „Diablo II“. Dabei darf durchaus auch mit der Umgebung „interagiert“ werden. So können die starken Helden schon mal den Laternenpfahl am Strassenrand pflücken und vermittels dieser Argumentationshilfe die bösen Buben subtil aus dem Konzept (und aus den Schuhen) prügeln.

„Freedom Force“ ist also eher Action- statt Strategiespiel. Über LAN respektive Internet lässt sich auch im Multiplayer-Modus spielen. Eines der Highlights ist es, dass Superhelden mit eigenen Fähigkeiten (und aus dem Internet downloadbaren Skins) ausgestattet werden können. Somit kann sich jeder seine eigenen Superhelden basteln und diese dann im Einsatz gegen das Böse (oder gegen andere Spieler) einsetzen. Das „Komponieren“ eigener Heroen kostet allerdings Bonuspunkte, die beim Bestehen der einzelnen Missionen mühevoll erworben werden müssen. Denn Superkräfte und –Fähigkeiten sind in FF unzählige zu haben, allerdings nicht für ein Butterbrot. Da hilft es eventuell, die Superhelden auch mit einigen „negativen Eigenschaften“, die das Spiel zur Verfügung stellt, auszustatten. Dies ist zwar für den Kampfeinsatz ein klarer Nachteil, treibt aber den Preis für die guten Eigenschaften und Skills nach unten. Ein Beispiel: Ich statte meinen neuen Helden, nennen wir ihn „Palladium“,“ mit den Fähigkeiten „stark“ (eher handfeste Natur also), „mental“ (PSI-Kräfte)“ und „Hitzestrahl“ (raten Sie mal) aus, reduziere die Kosten für diese drei Extras aber etwas, indem ich „Palladium“ mit dem Primärzustand „Panikattacke“ ausstatte. Mein Kämpfer (ich entscheide mich für das Aussehen eines grünen Ausserirdischen) wird folglich in den diversen Gefechten, in die er verwickelt wird, gelegentlich etwas zur Feigheit tendieren und dadurch etwas an Schlagkraft einbüssen. Man kann eben nicht alles haben – nicht mal im Computerspiel.

Was Steuerung, Graphik und Sound anbelangt, ist FF ein gelungenes Game, wenn auch ein etwas kräftigerer Mac zu empfehlen ist. Fun-Faktor und Steuerung stimmen auch. Der Gewaltlevel bleibt, vor allem dank der ironischen Grundatmosphäre, auf einem durchaus jugendverträglichen Niveau, so dass FF zwar nicht etwas für die jüngsten Mac-Gamer ist, aber sicher noch unter der Kategorie „jugendfrei“ läuft (ab etwa 12 Jahren geeignet). Aufgrund der Story und der nostalgischen Referenzen ist FF dennoch eher etwas für ältere Gamer, die dessen trashigen Charakter wohl zu würdigen wissen. Hardcore-Gamern ist FF wohl eher etwas zuwenig aggressiv. Auch verläuft das Spiel trotz der diversen „Ausbaumöglichkeiten“ der Superhelden doch recht linear und bietet somit nicht allzu viele echte Überraschungen. Dennoch: Ein spassig-kurzweiliges , spielerisch nicht allzu anspruchsvolles Game für Comic-Nostalgiker (und alle die es werden wollen), das vor allem von seiner originellen Optik und einer gehörigen Prise Selbstironie lebt. „Freedom Force“ ist das Spiel, das man immer mal gern wieder für eine halbe Stunde spielt.

Freedom Force Systemvoraussetzungen
OS X Version 10.1.5
G4 4000 MHz, 192 MB Ram
Radeon-/Geforce-Graphikkarte mit 32 MB RAM
600 MB HD
Info:
www.myfreedomforce.com
www.macplay.com

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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 19. September 2007 um 11:22 Uhr